Donnerstag, 12. Mai 2016

Charles Aznavour: Vive la Chanson!


Mit bald 92 und genau 70 Jahre nach seinem Durchbruch füllt Charles Aznavour (* 22. Mai 1924) die Konzertsäle und rührt mit seinen tiefsinnigen Liedern Millionen Menschen zu Tränen. Die große Beliebtheit des französisch-armenischen Sängers beweist: Das Chanson kommt nie aus der Mode.

Schon mehrmalig hat der vielschichtige Künstler und sozial engagierte Menschenfreund seinen Abschied von der Bühne angekündigt, aber das Publikum will ihn nicht ziehen lassen. Das ist nur zur verständlich: Auch nach Hunderten Liedern, die er bereits geschrieben hat, scheint seine Kreativität nicht zu versiegen. Die Liebe in all ihren Formen und Phasen ist und bleibt dabei sein Thema.



Sein Geburtstag ist einmal mehr Anlass, in die melancholische Welt des Chansons, dessen berühmtester lebender Botschafter er ist, einzutauchen. Zur Freude seiner Fans sind erst vergangenes Jahr sein Album "Encores" und ein aktueller Live-Mitschnitt aus Paris auf CD und DVD erschienen.


Im deutschsprachigen Raum kam das Chanson durch Reinhard Mey (* 21. Dezember 1942), der zu Anfang seiner Karriere unter dem Namen Frédéric auch in französischer Sprache sang, und die miteinander befreundeten und mittlerweile verstorbenen Künstler Alexandra (* 19. Mai 1942) und Udo Jürgens (* 30. September 1934) zu Ehren. Dabei einte sie auch das Bemühen, sich gegen  die Vereinnahmung durch die Musikindustrie zu wehren.


Den besten Überblick über Alexandras Schaffen, die 1969 mit 27 Jahren bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückte, findet sich auf dem Doppel-Album "Die Legende einer Sängerin". Darauf auch ihre Version des von Udo Jürgens geschriebenem Lied "Illusionen". Im Zuge seiner Platten-Reihe "Lieder, die im Schatten stehen" nahm der Liedermacher den Titel noch einmal selbst auf. Reinhard Meys frühes Schaffen ist gut auf seiner vier CDs umfassenden Kompilation "Über den Wolken - Lieder aus vier Jahrzehnten" dokumentiert.



Ihre Liebe zum französischen Chanson und der Musik von Udo Jürgens entdeckte übrigens auch Belinda Carlisle (* 17. August 1958), nachdem sie mit ihrer Familie von Kalifornien nach Frankreich übersiedelt war. Ihre Lieblingslieder nahm die amerikanische Sängerin, die mittlerweile fließend Französisch spricht, auf ihrem Album "Voila" neu auf, darunter Klassiker wie "La Vie En Rose" oder "Merci Cherie".

Foto-Credit: EMI; Odeon (Universal); Universal; Ryko/WEA