Donnerstag, 31. März 2016

Silent Drummer Boys: Larry Mullen jr.


40 Jahre U2 - auch für jene, die die musikalische Entwicklung der Band nicht durchgehend begleitet haben, ein besonderes Datum. Wesentlich an der Gründung des irischen Quartetts war Drummer Larry Mullen jr. (* 31. Oktober 1961) beteiligt, der sich trotz seiner zentralen Bedeutung konsequent im Hintergrund hält.

Auf die Frage, warum er so gut wie keine Interviews gibt, folgt seine unmissverständliche Antwort: "Meine Aufgabe ist es, Schlagzeug zu spielen, auf die Bühne zu gehen und die Band zusammenzuhalten. Das ist, was ich tue. Am Ende des Tages ist das das einzige, was zählt. Alles andere ist unwichtig."



Die erfrischende Uneitelkeit des dreifachen Familienvaters aus Dublin täuscht über die Vielseitigkeit des Musikers hinweg. Vom renommierten Magazin "Rolling Stone" auf Platz 96 der 100 besten Schlagzeuger aller Zeiten gewählt, hat sich Mullen als Studio-Musiker für Emmylou Harris oder R.E.M. und Filmmusik-Arrangeur einen Namen gemacht.

So fand die Neuaufnahme des Themas zu "Mission Impossible", für die er mit seinem Bandkollegen Adam Clayton (* 13. März 1960) verantwortlich zeichnet, 1996 große Beachtung und Anklang.

Dem Film nähert sich der Ire, der in diesem Jahr seinen 55. Geburtstag feiert, mittlerweile übrigens nicht nur musikalisch: Im preisgekrönten "A Thousand Times Good Night" mit Juliette Binoche und Nikolai Coster-Waldau oder als Nebendarsteller in "Man On A Train" mit Donald Sutherland stellte er sein natürliches schauspielerisches Talent unter Beweis.

Foto-Credits: Island Records; Mother

Mittwoch, 30. März 2016

Vladimir Cosma: Idylle in Noten


Die Musik des Komponisten und Geigers Vladimir Cosma (* 13. April 1940) steht für vertonte Harmonie, Leichtigkeit und Lieblichkeit mit Tendenz zum Pathos. Etwa der Song "Reality" von Richard Sanderson, bekannt aus der französischen Teenie-Komödie "La Boum" mit Sophie Marceau.

Mehr als 300 Filmen und Fernsehserien hat der Rumäne, der seit den frühen 1960er-Jahren in Paris lebt, gekonnt seine musikalische Note verliehen. Viele dieser Melodien, die er seit einigen Jahren bei von ihm dirigierten Konzertabenden zum Besten gibt, sind weit über Frankreich hinaus bekannt und ausgezeichnet worden.

Zu meinen Favoriten unter den zahlreichen Alben Cosmas zählen die Soundtracks zu der Familienserie "Die Rosen von Dublin" oder den Pierre Richard-Filmen "Der Regenschirmmörder", "Der Hornochse und sein Zugpferd", Zwei irre Spaßvögel" oder "Die Flüchtigen". Vor allem das Titelstück letzteren ist - ungewöhnlich für ihn - gitarrenlastig und mit ansprechender Lässigkeit arrangiert.

Das beeindruckende wie umfassende Gesamtwerk Vladimir Cosmas findet sich auf den zwei CD-Boxen "40 Films 40 Bandes" und "51 Bandes Originales Pour 51 Films Vol.2", die vor einigen Jahren erschienen sind.

Foto-Credit: Larghetto

Dienstag, 29. März 2016

Barocke Flötenklänge


Für viele ist die Flöte das notwendige Übel, um das eigentliche Lieblings-Instrument zu erlernen. Für Emmanuel Pahud (* 27. Jänner 1970) dagegen war die Flöte nicht der Weg, sondern das Ziel. Der französisch-schweizerische Musiker aus Genf hat in seiner mittlerweile 30-jährigen Bühnenkarriere gezeigt, wie vielfältig und schön dieses Instrument klingen kann und sich nicht nur für klassische Musik, sondern auch für Jazz eignet.

Eine weitere Besonderheit, die den Wahl-Berliner kennzeichnet: Als einziger Flötist weltweit hat er einen Plattenvertrag. Unter seinem Werk, das mittlerweile weit mehr als 20 Alben umfasst, stechen besonders die "Telemann Concertos" aus dem Jahr 2003 hervor. Die Stücke des Barock-Komponisten, dessen Geburtstag sich im März zum 335. Mal gejährt hat, sind eine wohltuende musikalische Kulisse für entspannte Abende.

Foto-Credit: Warner Classic

Montag, 28. März 2016

Soundtracks für Retro-Fans


Wer nicht nur Filme der 1950er- und 1960er-Jahre liebt, sondern auch die dazu gehörigen Soundtracks, wird reich beschenkt. Unter dem Titel "Classic Soundtrack Collector" erscheinen seit 2013  nach und nach die vollständigen Kompilationen, die es zum Download auf Amazon zu finden gibt. Darunter wahre Schätze - unter anderem "Jessica" von Mario Nascimbene, "Three Coins In The Fountain" von Victor Young oder "Pillow Talk" von Frank De Vol.

Die Sammlung wird in Abständen immer wieder um neue MP3-Alben erweitert, weshalb es sich lohnt, regelmäßig reinzuhören.

Charmant ist, dass die Musiktitel nicht digital überarbeitet wurden, sondern in der Klangqualität ihrer Zeit angeboten werden.

Foto-Credit: Classic Soundtrack Collector

Freitag, 25. März 2016

Weekend Sounds


Es ist Freitag und ein weiteres Wochenende voller Hoffnungen und Sehnsüchte beginnt. Das zumindest suggerieren die folgenden drei Songs, die eines verbindet: Wie ist es, wieder als Single auszugehen, nachdem man jahrelang in einer Beziehung war? Von Nostalgie bis Unsicherheit reichen die Gefühle, die dem Freitagabend eine neue Facette verleihen. Den Melodien ist das nicht anzumerken, weswegen sie sich ihren Weg auf die Happy Hour-Playlist gebahnt haben.

1. Chris Young feat. Cassadee Pope: Think Of You
Lokal und Freunde sind noch immer dieselben, aber ohne den Partner an der Seite fühlt sich alles nur noch leer und fremd an - die Gespräche, die Trinksprüche, die Musik. Ein Song, durch den sich zwei Menschen stimmlich gefunden haben: Denn Chris Young und Cassadee Pope harmonieren bei dem Song "Think Of You" perfekt.



2. Blake Shelton feat. Ashlee Monroe: Lonely Tonight
Offiziell ist die Beziehung beendet. Aber ist sie auch wirklich vorbei? In "Lonely Tonight" vergessen zwei Menschen für einen Freitagabend, dass sie eigentlich kein Paar mehr sind. Blake Shelton, dessen Ehe mit Miranda Lambert in die Brüche ging, hat diesen Weg für sich nicht beschritten, sondern in Gwen Stefani eine neue Liebe gefunden.



3. Jake Owen: Life Of A Party
Zum ersten Mal seit seiner Trennung wagt sich ein Mann wieder unter Menschen auf eine Party. Die Ausgelassenheit, die ihn umgibt, erreicht ihn nicht. Denn durch die anderen Paare wird ihm erst bewusst, was er verloren hat und wie es ist, allein zu sein. In "Life Of A Party" klingt Jake Owen sehr überzeugend.



Foto-Credit: RCA Records

Donnerstag, 24. März 2016

30 Jahre danach: The Smiths


Das renommierte britische Musik-Magazin "NME" bezeichnete "The Smiths" vor einigen Jahren als die einflussreichste britische Band seit den Beatles. Das ist insofern keine Übertreibung, als die vierköpfige Formation um Sänger Morrissey (* 22. Mai 1959) die Britpop-Bewegung der 90er-Jahre künstlerisch auf den Weg gebracht hatte und es bis heute kaum eine britische Band gibt, die nicht von den "Smiths" geprägt ist oder sich zumindest an ihnen orientiert.



Zum Vermächtnis der Band zählt, dass sie in ihren Songs die nachdenklich-getrübte Stimmung vieler junger Briten während der Thatcher-Ära wie kaum eine andere spiegelte. Etliche ihrer Songs wurden daher Hits und gelten heute als Klassiker.

Zum Programm gehörte es auch, sich politisch zu positionieren und den gesellschaftlichen Wandel durch den eigenen Lebensstil zu fördern. So gilt Morrissey als einer der ersten und prominentesten Vegetarier seiner Generation, der den bewussten Verzicht auf Fleisch auf dem Album "Meat Is Murder" musikalisch thematisierte.

Jenseits der Insel begeisterten "The Smiths" mit ihren melancholischen Untertönen und der Vertonung des vorherrschenden Lebensgefühls.



Seit der Auflösung der Band 1987 steht eine Wiedervereinigung immer wieder im Raum. Morrissey und Gitarrist Johnny Marr (* 31. Oktober 1963) haben dessen ungeachtet ihre jeweiligen Solo-Karrieren unbeirrt und erfolgreich vorangetrieben.

Einer ihrer bekanntesten Songs, die sie noch gemeinsam geschrieben hatten, wurde übrigens vor einigen Jahren von der Künstlerin Amelia Warner (* 4. Juni 1982) neu und liebevoll interpretiert.



Foto-Credit: Warner Music

Mittwoch, 23. März 2016

Silent Drummer Girl: Karen Carpenter


Vielen ist Karen Carpenters (* 5. März 1950 - 4. Februar 1983) sanfte und dennoch markante Stimme immer noch wohl vertraut und eine lieb gewordene musikalische Erinnerung an die 70er-Jahre. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass gerade sie sich in erster Linie als singende Schlagzeugerin verstand und es offenbar auch gerne geblieben wäre.



Denn als sie und ihr Bruder Richard (* 15. Oktober 1946) unter dem Namen "The Carpenters" ihre Karriere begannen, saß Karen hinter dem Schlagzeug. Da sie aufgrund ihrer zierlichen Erscheinung für das Publikum nur schwer zu sehen war, wechselte sie notgedrungen hinters Mikrophon an der Bühnenfront. Eines von mehreren Zugeständnissen der Sängerin an ihre Fan-Gemeinde, die rasch und stetig wuchs.

Carpenter überzeugte dabei nicht nur mit ihrem seelenvollen Gesang, sondern beeindruckte in Musiker-Kreisen mit ihrem versiert-raffinierten Schlagzeug-Spiel, das auch anspruchsvolle Tempi-Wechsel und Variationen umfasste.



Berührend ist, dass von der chronischen Unruhe, die sich durch ihr Leben als populäre Sängerin zog, in ihren Liedern weder etwas zu hören noch zu spüren ist. Im Gegenteil.

Ihre volle künstlerische Würdigung erlebte Karen Carpenter, die 32-jährig infolge jahrelanger, schwerer Essstörungen starb, nicht mehr. Als eine der berühmtesten Krankheitsfälle trug ihr Schicksal wesentlich zur Sensibilisierung für dieses Thema, das damals noch kaum im öffentlichen Bewusstsein war, bei. Bis heute wird sie in amerikanischen Künstlerkreisen als Inspirationsquelle verehrt.

Wer seine Seele gerne an Stimmen à la Karen Carpenter wärmt, dürfte auch an Rumer (* 3. Juni 1979) Gefallen finden. Die britische Sängerin mit pakistanischen Wurzeln verfügt über ein ähnlich wohlklingendes Timbre und eine starke musikalische Aura.



Foto-Credit: A & M Records

Dienstag, 22. März 2016

Dierks' Welt


Ein Bekenntnis zur Lebensfreude und eine Würdigung der Welt in ihrer Schönheit ist gerade an Tagen, die durch so traurige Ereignisse wie die jüngste Anschlagreihe in Brüssel geprägt sind, besonders wichtig. Unweigerlich denke ich dabei an das Lied "Beautiful World" des Country-Sängers Dierks Bentley (* 20. November 1975) und seiner Duett-Partnerin Patty Griffin (* 16. März 1964).

Allen erschütternden Ereignissen und beklemmenden Schlagzeilen zum Trotz bekräftigt das Duo seinen Glauben an das Gute. Das nicht nur wohltuend unpathetisch, sondern auch überzeugend.



Die aus Maine stammende Sängerin Patty Griffin, die von Boston aus ihre musikalische Laufbahn startete, übt sich in betonter Zurückhaltung. Zur Verbreitung und Anerkennung ihrer Songs haben daher auch andere namhafte Interpreten beigetragen - allen voran Emmylou Harris (* 2. April 1947).



Dierks Bentley begann seine Karriere als Rock-Musiker, bevor er über Umwege in der Country-Musik seine Stil-Richtung fand. Der Musiker hat seine Vielseitigkeit vielfach unter Beweis gestellt, am stärksten wirkt er dennoch über seine nachdenklicheren Songs. Diese finden sich wohl auch auf seinem neuen Album "Black", das die Höhen und Tiefen von Beziehungen ausleuchtet.



Foto-Credit: Humphead

Montag, 21. März 2016

Bach zum Geburtstag


Am 21. März treffen einige bedeutende Ereignisse aufeinander: der Frühlingsbeginn, der Tag des Waldes und der Geburtstag von Johann Sebastian Bach (1685 - 1750). Um sich musikalisch in die Zeit des virtuosen Komponisten hineinzuhören und ein Gespür für die damaligen Arrangements zu bekommen, empfiehlt sich die Kompilation "Music For Lute, Violin & Violincello". 

Die drei Musiker Lutz Kirchhof (Laute), Giuliano Carmignola (Violine) und Francesco Galligioni (Violincello) haben in fühlbarem Einklang Bachs Lauten-Suite in A-Dur interpretiert. Zusätzlich finden sich auf dem Album gefällige Kompositionen weiterer Zeitgenossen. 15 Jahre nach seinem Erscheinen zählt jenes immer noch zu den besten Einspielungen dieser selten gehörten Barock-Klassiker.

Foto-Credit: Sony

Freitag, 18. März 2016

Weekend Sounds


"Workin' Monday Through Friday // Takes Up All Of My Time", sang bereits Madonna in ihrem Hit "Where's The Party" aus dem Jahr 1986. Und wenn wieder eine Arbeitswoche geschafft ist, darf sie auch gebührend zelebriert werden. Jedenfalls musikalisch. 

Dabei breche ich mit einer kleinen Faustregel, die da besagt: "Country ist Musik für Werktage, Rock Musik fürs Wochenende". Sei's drum, diese Woche wird mit Werktag-Klängen beendet. ;-)

1. Blake Shelton: Drink On It
Ja, das Leben ist nicht immer leicht, die Stimmung nicht immer die beste und die Männer sind nicht immer gut. Was da noch hilft? Blake Shelton hat für Frauen einen sicheren Tipp: Trink' etwas und schlaf' drüber. Und die Rede ist hier nicht von Mineralwasser.


2. Chris Young: I Can Take It From There
Von einer aufregenden Liebesnacht mit einer langhaarigen Schönheit trennt den Sänger in diesem Lied nur eine Menschenmenge auf einer Party. Ob sich die Hoffnungen erfüllen, ist hier nicht die Frage. Die Musik stimmt ideal auf den Freitagabend ein.


3. Blake Shelton: Honey Bee
Gute Laune und Sonnenschein - viele Songs des Country-Sängers klingen wie Musik gewordene Lebensfreude. Insbesondere dieser hier.


4.  Brad Paisley feat. Keith Urban: Start A Band
Mag Musik nicht alle Probleme lösen, so hilft sie doch dabei, sich von ihnen nicht erdrücken zu lassen. Diesem Credo folgend plädiert das Duo für eine einfache Formel: "When You're Living In A World That You Don't Understand //  Find A Few Good Buddies, Start A Band". Freunde ausgedehnter Gitarren-Soli dürfte diese musikalische Ansage freuen.


5. Luke Bryan: Drunk On You
Tage wie diese, die im Rückblick zu den besten Momenten des Lebens zählen, besingt der Country-Star in einem seiner größten Hits.


Foto-Credit: RCA Record

Donnerstag, 17. März 2016

Play it again, Gregory!


Manchen Kritikern ist der Erfolg von Gregory Porter (* 4. November 1971) nicht mehr recht geheuer. Denn nur selten kommt es vor, dass einem Jazz-Sänger der Sprung an die Spitze der amerikanischen oder britischen Charts gelingt.

Der aus Kalifornien stammende Künstler eroberte vor wenigen Jahren knapp 40-jährig mit weichem Timbre und Liedern, die ins Ohr, bzw. Texten, die ins Herz gehen, wie aus dem Nichts weltweit zahlreiche Menschen. Zum beruflichen Glück gesellte sich beinahe selbstverständlich das private, wurde er auf dem Höhepunkt seiner Karriere zum ersten Mal Vater. 

Mit "Take Me To The Alley" legt Porter, der unter seiner Kappe laut eigenen Angaben Operationsnarben verdeckt, wenige Tage nach dem "Internationalen Tag des Jazz" (30. April) sein neues Album vor. 

Wie die ersten Hörproben "Holding On" und "Don't Lose Your Steam" erahnen lassen, sind dem Sänger würdige Nachfolger von Songs wie "Be Good", "Hey Laura", "Movin'" oder "Wind Song" gelungen.

Foto-Credit: Blue Note

Mittwoch, 16. März 2016

Zeit für hellblaue Lieder


Unbeschwert und leicht, ohne oberflächlich zu sein: Die kleinen Lebensweisheiten, die in manchen Schlagertexten anklingen, berühren die Seele und erhellen den Tag. So gesehen ist dieses Genre nicht erst seit dem kometenhaften Aufstieg von Helene Fischer besser als sein Ruf. Aber nicht zuletzt auch ihrer Popularität ist es zu verdanken, dass Schlager wieder von mehr Menschen gehört werden.


Gerade jetzt, wenn sich der Frühling seinen Weg bahnt, begleiten mich die Lieder von Mary Roos (* 9. Jänner 1949) durch den Tag. Besonders die Balladen "Frühlingszeit", "Wo sind all die Jahre nur geblieben" oder "Näher" umrahmen diese Zeit auf sanfte Weise.


Auch bei Howard Carpendale (* 14. Jänner 1946) sind die Texte im Lauf der Jahre wohltuend gereift. Mit "Das Leben Ist Ein Mosaik", "Bin Wieder Da", "Teilen" oder "Das Alles Bin Ich" präsentiert der Sänger kleine musikalische Ermutigungen und Momente des Innehaltens im Trubel des Alltags.


Foto-Credits: DA Records; Electrola; Polydor

Dienstag, 15. März 2016

Shakespeare Sounds


87 Jahre musste Ennio Morricone (* 10. November 1928) werden, um seinen ersten, längst überfälligen Oscar zu erhalten. Seine Musik trug wesentlich dazu bei, dass aus Filmen Klassiker wurden. Gleichzeitig schrieb er auch Soundtracks für Klassiker. Unter anderem "Hamlet" von William Shakespeare, dessen Todestag sich am 23. April zum 400. Mal jährt, in der Verfilmung von Franco Zeffirelli aus dem Jahr 1990. Die Musik verdichtet die düster-melancholische Stimmung der packenden Kino-Adaption.

Auf diese Kunst versteht sich auch der schottische Komponist Patrick Doyle (* 6. April 1953), der für die Filmmusik aller Shakespeare-Filme Kenneth Brannaghs verantwortlich zeichnet. Zwei Alben heben sich besonders ab.

Die an opulenten und eindrucksvollen Kampf- und Dialogszenen reiche Geschichte um "Henry V." (1989) wirkt durch die Filmmusik Doyles noch intensiver. Besonders deutlich wird das in den Stücken "For A Muse Of Fire", "The Day Is Yours" oder seiner Version von "Non Nobis, Domine".

In die Filmmusik zu "Much Ado About Nothing" (1993) legt Doyle dagegen belebende mediterrane Leichtigkeit. Vor sommerlicher Kulisse lädt das Album zum Träumen ein und vertreibt dunkle Gedanken. Allen voran der Titel wie "A Star Danced".


Foto-Credits: Mis; Warner; Epic

Montag, 14. März 2016

Tango-Klänge auf Sizilianisch


Vor 40 Jahren feierte Franco Piersanti (* 12. Jänner 1950) sein Debüt als Filmmusik-Komponist. Der in Rom geborene Musiker war jahrelang als Kontrabassist beim Symphonie-Orchester der Fernsehanstalt RAI tätig, bevor er Assistent des legendären Nino Rota wurde, der mit seinem Thema zu "Der Pate" Filmmusik-Geschichte geschrieben hatte.

In den folgenden Jahren komponierte Piersanti Soundtracks für zahlreiche Produktionen der Regisseure Nanni Moretti und Gianni Amelio.

Sein Meisterstück legte er im Jahr 2000 mit der Musik zu der Kriminalserie "Commissario Montalbano" ab. Einmal eigenwillig, einmal melancholisch harmonieren die Tango-Klänge auf besondere Weise mit den Bildern von Sizilien, den einsamen Strandspaziergängen des Chef-Ermittlers und den Schicksalen, die hinter den Fällen zum Vorschein kommen. 

Neben dem "Noir Concertante" -  dem Thema der Serie - ist die Melodie zu "Riflessioni" ("Reflektionen") tief ergreifend.

Foto-Credit: Image Music

Mittwoch, 9. März 2016

Abschied von Joey


In Momenten, in denen ich zur Ruhe kommen will, höre ich gerne Songs von Joey & Rory. Dem sympathischen Ehepaar aus Tennessee gelang in seiner Heimat 2008 der Durchbruch. Ohne Pathos, dafür mit umso mehr Gefühl interpretierten die beiden - meist nur von einer akustischen Gitarre begleitet - Eigenkompositonen und Gospels.


Die Nachricht, dass Joey (9. September 1975 - 4. März 2016) mit nur 40 Jahren verstorben ist, hat auch mich tief betroffen gemacht. Die Sängerin hatte vor zwei Jahren ein Kind mit Down-Syndrom auf die Welt gebracht und erkrankte kurz danach an Krebs. Nach einem Rückfall stellten die Ärzte auf ihren Wunsch alle Behandlungen ein. Die Zeit, die ihr noch blieb, verbrachte sie daheim im Kreis ihrer engsten Angehörigen.

In den Gedanken, die das Ehepaar vertonte, lag immer etwas Tröstliches und Wärmendes. Die Ironie des Schicksals ist: Manchmal auch ein Hauch von Abschied. Thank you for the music, Joey ...

Foto-Credit: Gospel International

Dienstag, 8. März 2016

Süße Zeiten mit Sugar


In das Buch "1.001 Alben, die man gehört muss, bevor man stirbt"  hat es "Copper Blue" (Soulfood) von Sugar mühelos geschafft. Unstrittig ist, dass es ein Pflicht-Album für Fans des amerikanischen Alternative Rock ist. Nach der Auflösung seiner ersten Band "Hüsker Dü" und einigen Jahren als Solist hatte sich Bob Mould (* 16. Oktober 1960) wieder als Frontmann einer Band auf die Bühne gewagt. Das war 1992, auf dem Höhepunkt der amerikanischen Grunge- und britischen Independent-Bewegung.



Kraftvoll, melodisch und voll Leben erobern die ohrwurm-verdächtigen Songs die Hörerschaft im Sturm, vor allem "The Act We Act", und waren damit wegweisend für viele Künstler und Bands. Allen voran die Foo Fighters, die Mould auf "Wasting Light" ihren Tribut zollten - in Form eines gelungenen Duetts mit Dave Grohl ("Dear Rosemary") und mehrerer gemeinsamer Auftritte.

Das Projekt Sugar war - abgesehen von einer Tournee im Jahr 2012 - nach nur drei Jahren wieder Geschichte. In dieser Zeit sorgte die Band mit den Nachfolgern "Beaster", "File Under: Easy Listening" und "Besides" für starke und stilprägende Lebenszeichen. Und von Seiten Bob Moulds nicht die letzten. Rund alle zwei Jahre bereichert der versierte Komponist die Musikwelt mit frischen Songs. Fortsetzung folgt - mit "Patch The Sky".


Foto-Credit: Soulfood; Merge Records

Montag, 7. März 2016

Mark Brandis: Der Soundtrack ist da


Während bei Kinofilmen Soundtracks eine Selbstverständlichkeit sind, ist es bei Hörspielen eine echte Rarität. Im Falle der populären Science Fiction-Reihe "Mark Brandis" (Folgenreich) war es nur eine Frage der Zeit, denn die Musik trägt wesentlich zur dichten Atmosphäre des Kopfkinos bei und begeisterte die Fans nicht weniger als die Abenteuer des Weltraumpiloten selbst, die auf den Büchern des Autors Nikolai von Michalewsky (17. Jänner 1931 - 27. Dezember 2000) beruhen.

Für die starke musikalische Sogwirkung sorgt der deutsche Musiker Joachim-C. Redeker. Für die Faszination die Mischung aus lebendiger Geräuschkulisse und sympathischer vertrauter Stimmen.

Ihre größtmögliche Wirkung entfalten die liebevoll inszenierten Weltraum-Hörspiele für Erwachsene in einem Planetarium. Davon konnte ich mich vor einigen Jahren selbst überzeugen. Zurückgelehnt in einem bequemen gepolsterten Sitz mit Blick auf den Sternenhimmel ist es wie Magie, den Geschichten zu lauschen.



Über die Dauer von 32 Folgen wachsen den Hörern Commander Mark Brandis, seine Frau Ruth und seine ihm treu ergebene Crew - ohne Übertreibung oder Pathos - ans Herz. Die täglichen Mutproben und folgenreichen Entscheidungen, die er häufig unter Druck treffen muss, fordern ihn in seiner Verantwortung als Kopf der Mannschaft bis zum Limit. Die geschliffenen Dialoge und schlagkräftigen Argumente sind daher nicht nur ein Hörgenuss, sondern die ideale rhetorische und menschliche Anleitung für Führungskräfte.

Die Fans der Serie wollen sich mit einem Ende der Hörspiel-Reihe nicht abfinden. Unter dem Titel "Mark Brandis - Raumkadett" bringt daher Folgenreich demnächst bereits die achte Folge auf den Markt. Die Episoden erzählen von den beruflichen Anfängen des erfahrenen Weltraumpiloten.

Nicht das einzige Highlight, das uns Hörspiel-Freundinnen und -Freunde erwartet: Am Donnerstag, den 10. März 2016, zeigt der WDR ab 23.25 Uhr die Aufzeichnung der Gala zur Verleihung des Deutschen Hörspielpreises, moderiert von Götz Alsmann.

Foto-Credit: Universal

Mittwoch, 2. März 2016

Kleine Zeitreise mit Cock Robin


In ihrer Heimat, den USA, ist die Band Cock Robin fast gänzlich unbekannt, während sie in Europa vielen immer noch ein Begriff ist. Mit ihren Balladen "The Promise You Made" oder "When Your Heart Is Weak" war dem Duo in den 1980er-Jahren ein Fixplatz auf sämtlichen Kuschelrock-Samplern quer über den Kontinent sicher. 



Doch nicht nur damit spielten sich Frontmann Peter Kingsbery (* 2. Dezember 1952) und seine Mitstreiterin Anna LaCazio (* 26. Jänner 1962) nachhaltig in die Herzen ihrer Fans. Vor allem in Frankreich, wo sich der Sänger vor einigen Jahren niedergelassen hat, füllen sie bis heute mühelos die Konzertsäle. Und das ist durchaus beachtlich, bedenkt man, dass sich die Band 1990 nach nur acht Jahren aufgelöst hat und sich seitdem im Wesentlichen nur zu gelegentlichen Auftritten, Kurz-Tourneen und zwei Alben zusammengefunden hatte.



Cock Robin, dessen Name auf den gleichnamigen literarischen Titelhelden einer Erzählung aus dem 17. Jahrhundert zurückgeht, spielten vor allem auf dem Album "After Here Through Midland" (1987) alle musikalischen Trümpfe aus. Ob "Just Around The Corner", "The Biggest Fool Of All" oder "El Norte" - ihre Songs spiegelten den Geist der 1980er und hören sich 30 Jahre später dennoch unverbraucht und zeitlos an. Was sich bei weitem nicht von allen musikalischen Hörproben dieser Pop-Ära sagen lässt.



Ein Grund mehr, wieder eimmal in das gelungene Album der Band hineinzuhören. Nicht zuletzt, da Peter Kingsbery dieser Tage sein neues Album "Chinese Driver" veröffentlicht. Nachdem sich LaCazio kürzlich ins Privatleben zurückgezogen hat, mit einer neuen stimmlichen Begleiterin.

Foto-Credit: CBS

Dienstag, 1. März 2016

Bunte Haare, bunte Töne: 40 Jahre B-52s


Als die am schönsten klingenden Falschsängerinnen soll ein Kritiker Kate Pierson und Cindy Wilson - die weiblichen Mitglieder des Quartetts "The B-52s" - einmal bezeichnet haben. Nur ein Markenzeichen, das die Band im Lauf von vier Jahrzehnten neben ihren farbenprächtigen Frisuren und Inszenierungen auf hohem Niveau kultiviert hat. Darüber soll nicht hinwegtäuschen, dass hinter den betont lebensbejahenden Songs, der ausgelassenen Party-Stimmung und den originellen Arrangements virtuoses Können und ein hohes Maß an Professionalität stecken.



Von der College-Stadt Athens in Georgia zogen Fred Schneider (* 1. Juli 1951), Keith Strickland (* 26. Oktober 1953), Kate Pierson (* 27. April 1948) und das Geschwister-Pärchen Cindy (* 28. Februar 1957) und Ricky Wilson (* 19. März 1953) Ende der 1970er-Jahre Richtung New York los. Mit ihren liebenswürdig-eigenwilligen Songs trafen sie den musikalischen Nerv der Zeit und etablierten sich rasch als musikalischer Geheimtipp. Zu ihren Fans soll übrigens auch John Lennon gezählt haben, der sich von ihrem Song "Rock Lobster" musikalisch inspirieren ließ, heißt es.



Der Name der Band spielt auf die hochtoupierten Frisuren der Sängerinnen an, die an die spitz zulaufende Vorderfront der amerikanischen Bomber "B-52s" erinnerten. Dass gerade diese Band ausschließlich in friedlicher Mission unterwegs ist, um Menschen weltweit zu unterhalten, ist nur eine von mehreren kleinen ironischen Anspielungen, die sich in der künstlerischen Biografie der Band finden.



Das Gitarrenspiel von Keith, der harmonische Zweigesang von Kate und Cindy, die unterhaltsamen Sprechgesänge von Fred und die eingängigen Kompositionen der Band bilden die Grundlagen eines einmaligen Gesamtkunstwerks, das 1985 auf einen ersten Höhepunkt zusteuerte. Der überraschende Tod des damals erst 32-jährigen Ricky Wilson, der zu den ersten prominenteren Aids-Fällen zählte, führte zu einem totalen Rückzug der Mitglieder, die erst drei Jahre später wieder auf die Bühne zurückkehrten.



Mit dem Album "Cosmic Thing" und den Singles "Love Shack", "Channel Z", "Roam" und "Deadbeat Club" gaben sie 1989 ein unüberhörbares Lebenszeichen von sich, als ob sie nie weg gewesen waren. Stimmlich hatten sich die Sängerinnen enorm entwickelt, Keith Strickland lief als Musiker zu neuer Hochform auf. Damit empfahlen sie sich auch für musikalische Nebenprojekte. Kate Pierson lieferte an der Seite von Iggy Pop den Hit "Candy" ab und sorgte für die harmonische Zweitstimme auf R.E.M.'s Album "Out Of Time".



Nach weiteren Hits, vorübergehenden Auszeiten einzelner Mitglieder, Wiedervereinigungen und Comebacks blickt die Band 2016 auf 40 ebenso schillernde wie auch bewegende Jahre zurück und begeistert im Rahmen ihrer mitterweile seltener gewordenen Tourneen immer noch Millionen Fans weltweit, für die eine Party erst mit der Musik der B-52s zum wahren Fest wird.

Foto-Credit: Island Records