Mittwoch, 27. Januar 2016

Das wahre Leben

In der jüngsten Ausgabe des Schweizer "Literaturclub" wurde der Roman "Die Freien" von Willy Vlautin präsentiert. Dieser schildert den tristen Alltag jener Amerikaner, die seit der Bankenkrise bis über beide Ohren verschuldet rund um die Uhr arbeiten und ihr Dasein am Rande der Gesellschaft bestreiten. 

Bereits als Frontmann der Band "Richmond Fontaine" nimmt sich der Autor seit mehr als 20 Jahren der im Leben zu kurz gekommenen Menschen an, besingt in eindrucksvollen Texten ihre Schicksale, aber auch ihre Unbeugsamkeit. Von der britischen Tageszeitung "The Independent" als "Dylan der Ausgerenkten" stilisiert, trifft der bald 50-Jährige aus Portland einen empfindlichen Nerv - nicht nur der amerikanischen Gesellschaft.

Mit seiner thematischen Ausrichtung steht Vlautin dabei nicht alleine da. In dem Genre Alternative Country finden sich vielversprechende Künstler, die die Stimme des kleinen Mannes bilden - ohne Geheische, Anbiederei oder Pathos.

"Sons of Fathers" aus Texas zählen dazu. Bei ihrem harmonischen Zweigesang könnte man fast ihre Texte überhören, die ganz nah an einer ländlich geprägten Gesellschaft dran sind und die vielfältigen Stimmungen zwischen dörflicher Monotonie und tiefer Verbundenheit mit den eigenen Wurzeln in einprägsame Songs übersetzen. "Adam and Eve", "The Mansion", das gleichnamige "Sons of Fathers" oder "Mother Dear" sind musikalische Belege dafür, wie gut Musik klingen kann, wenn sie gekonnt arrangiert und hingebungsvoll zum Ausdruck gebracht wird.

Alison Krauss, die trotz ihrer jungen Jahre schon als musikalische Ikone in ihrer amerikanischen Heimat verehrt wird, hat diesbezüglich vor allem mit dem Album "Lonely Runs Both Ways" den unbeachteten Gefühlen von Menschen, die vom Leben gebeutelt wurden, Ausdruck verliehen. Am eindrucksvollsten in dem Song "My Poor Old Heart".

Ähnlich der Klassiker "More Love" des texanischen Trios "Dixie Chicks", der die wachsende Distanz zwischen zwei Menschen, die sich über die Jahre durch Sorgen und Routinen zusehends voneinander entfremdet haben, bewegend schildert.


Foto-Credits: Decor Records; Blanco River Music; Rounder Europe; Sony Music